Wissen

Geschichte des Kosovo

Die Geschichte des Kosovo begann bereits in der Antike. Damals war das Gebiet von Illyrern besiedelt. Im Süden des Kosovo, um die Stadt Suhareka, liegen die Ursprünge der illyrischen Besiedlung. Nachdem das Illyrische Reich unter Königin Teutas im 1. Illyrischen Krieg im Jahre 228 v. Chr. zerschlagen wurde, gelangte das Gebiet des heutigen Kosovo unter römische Herrschaft. Die Folge waren kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Römern und Illyrern. Im Jahre 168 v. Chr. wurde das spätere Kosovo zu einem Protektorat des Römischen Reiches. Nachdem Kaiser Augustus 33 v. Chr. erfolgreich gegen die Illyrer gekämpft hatte, wurde das Gebiet offiziell zu einer Provinz des Römischen Reiches erklärt. Die Ruinenstädte Theranda und Ulpiana gelten als wichtigste römische Ansiedlungen im späteren Kosovo.

Nachdem Kaiser Theodosius I. im Jahre 395 das Römische Reich neu aufteilte, gelangte das Kosovo unter byzantinische Herrschaft. Im frühen Mittelalter begann das Reitervolk der Awaren in den byzantinischen Städten einzufallen. Im 7. Jahrhundert fielen die Slawen ein und plünderten die römischen Ansiedlungen. Zwei Jahrhunderte später war das Kosovo geteilt. Während der südöstliche Teil zum Bulgarischen Reich zählte, war der Nordwesten der serbischen Dynastie Vlastimirs unterworfen. Anfang des 11. Jahrhunderts wurde das Gebiet von den Byzantinern unter Kaiser Basileios II. zurückerobert. Die Macht der Byzantiner festigte sich.

Um 1200 gründeten die Serben das Nemanjidenreich. Das spätere Kosovo wurde auf Grund seiner Bodenschätze und strategisch günstigen Handelswege zu einem Zentrum des serbischen Staates und erlebte eine Blütezeit, welche mit dem Vormarsch der Osmanen beendet wurde. Es folgten kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Serben und Osmanen, welche in der Schlacht am Amselfeld im Jahre 1389 gipfelten. Im Jahre 1454 erlangten die Osmanen die Alleinherrschaft über das Gebiet des heutigen Kosovo.

Im ausgehenden 17. Jahrhundert besiedelten mehr und mehr Albaner die fruchtbaren Gebiete des Kosovo. Die Jahrhunderte langen Besitzansprüche der Albaner im Kosovo beruhen auf der von albanischen Forschern aufgestellten Meinung, die Albaner seien direkte Nachfahren der ersten Siedler des Kosovo, der alten Illyrer.

Im 19. Jahrhundert war der westliche Teil des Kosovo zum Großteil von Albanern bewohnt. Im Osten, dem historischen Siedlungskern, überwog die Anzahl der Serben. Als das Fürstentum Serbien im Jahre 1878 unabhängig wurde, verließen zahlreiche Serben freiwillig oder auch unfreiwillig das Kosovo. Die albanische Bevölkerungsmehrheit überwog nun auch im Osten des Gebietes.

Nach dem 1. Balkankrieg im Jahre 1913 fiel das Gebiet des heutigen Kosovo zum Großteil an Serbien. Ab 1918 wurde das Kosovo ein Teil Jugoslawiens und die Regierung begann mit einer “Serbisierung” des Gebietes. Serbisch wurde zur Amtssprache erklärt und muslimischen Großgrundbesitzern drohte die Enteignung. Die extrem schlechte wirtschaftliche Lage des Kosovo führte jedoch dazu, dass viele Serben das Land verließen und ihren Besitz bereitwillig an die Albaner zurück verkauften.

Im Jahre 1941 wurde Jugoslawien von deutschen Truppen angegriffen und das jugoslawische Staatsgeflecht brach zusammen.
Nach dem II. Weltkrieg kam es zur Gründung des kommunistischen Staates Jugoslawien, unter Präsident Tito. 1948 wurde das autonome Gebiet Kosovo und Metochien als Teil der Republik Serbien gebildet. Die Autonomie wurde mit dem Ziel verhängt, eine Begrenzung der Spannungen zwischen Serben und Albanern herbeizuführen.

Die Diskrepanzen zwischen beiden Volksgruppen verschärften sich erneut in den 1980er Jahren. Das Bestreben nach Unabhängigkeit beider Völker wuchs. Der damalige Staatschef Slobodan Milosevic kündigte umfassende Reformen an. Die erweiterte Autonomie des Kosovo, welcher man im Jahre 1974 zubilligte, wurde auf ein Mindestmaß reduziert. Albanische Politiker riefen daraufhin zu einem Boykott der unter serbischer Führung stehenden staatlichen Einrichtungen des Kosovo auf. Viele Albaner sahen ihre Menschenrechte unter der Regierung Milosevics verletzt und beantragten Asyl im Ausland. Albanische Vereine und Parteien wurden verboten, die albanisch stämmige Bevölkerung wurde aus ihren Ämtern enthoben und enteignet. Im Kosovo verbliebene Albaner leisteten gewaltfreien Widerstand gegen die Regierung.

Mitte der 1990er Jahre kam es zu ersten Kampfhandlungen zwischen der albanischen Befreiungsarmee des Kosovo, UCK und den serbischen Streitkräften. Weitere Albaner sahen sich gezwungen, den Kosovo zu verlassen. Nachdem der von der NATO ausgearbeitete Friedensvertrag von Rambouillet von der jugoslawischen Führung im Jahre 1999 abgelehnt wurde, begann die NATO strategisch wichtige Punkte in Jugoslawien unter Beschuss zu nehmen. Anfänglich waren am Kosovokrieg, einem reinen Luftkrieg, 430 Flugzeuge beteiligt. Während der Kamphandlungen zwischen März und Juni 1999 kamen weitere 1 200 Flugzeuge aus den NATO-Mitgliedstaaten hinzu. Als Hauptziel der Anschläge galt die Metropole Belgrad, weiterhin wurden Ziele in Pristina, Podgorica oder Novi Sad angegriffen.

Mit dem Ausbruch des Kosovokrieges waren hunderttausende Kosovo-Albaner aus ihre Heimat vertrieben worden oder verließen den Kosovo freiwillig. Im April 1999 schloss Jugoslawien seine Grenzen zu Mazedonien und Albanien und trieb die Flüchtlinge zurück ins Land. Am 3. Juni wurde vom serbischen Parlament der Friedensplan der G-8 Staaten gebilligt. Ihm folgte eine von den Serben komplizierte Verhandlungsphase. Sechs Tage später kamen Jugoslawien und die NATO bei Verhandlungen in der nordmazedonischen Stadt Kumanovo überein, die serbischen Truppen aus dem Kosovo abzuziehen und einer Stationierung der UN-Friedenstruppe KFOR zuzustimmen. Die NATO stellte daraufhin ihre Kampfgefechte ein. Viele Serben verließen das Land, da sie weitere Ausschreitungen aus albanische Reihen befürchteten. Am 17. Februar des Jahres 2008 erklärte das Parlament die Unabhängigkeit des Kosovo, welche von einem Großteil des internationalen Staatenverbundes mittlerweile anerkannt wird.

Foto-Copyright: https://www.flickr.com/photos/33037982@N04/3404946393

Hinterlass ein Kommentar

5 × fünf =