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Hashim Thaçi

Hashim Thaçi ist ein kosovo-albanischer Politiker und der erste Premierminister der Republik Kosovo nach der Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar des Jahres 2008. Gleichzeitig sitzt Thaçi auch der „Demokratischen Partei des Kosovo“ (PDK) vor. Zudem gilt er auch als Mitbegründer sowie wichtiger Führer der UÇK, einer paramilitärischen Organisation, welche für die Unabhängigkeit des Kosovo kämpfte.

Thaçi stammt aus den traditionell rebellischen Drenica-Bergen im Kosovo und studierte an der Universität von Priština Philosophie und Geschichte. Bereits zu dieser Zeit engagierte er sich politisch, im Jahre 1989 war Thaçi einer der Organisatoren der albanischen Studentenproteste. Im Jahre 1992 verließ Thaçi den Kosovo in Richtung Albanien. Auch dort setzte er sein politisches Engagement fort, vor allem kämpfte er für eine Vereinigung aller albanischen Siedlungsgebiete. Nur ein Jahr später sah sich Hashim Thaçi allerdings gezwungen, Albanien wieder zu verlassen, da er dort wegen illegalen Waffenbesitzes angeklagt war.

Über Österreich gelangte Thaçi schließlich in die Schweiz, wo er im Jahre 1995 schließlich den Status eines anerkannten politischen Flüchtlings erlangte. Den überwiegenden Teil seiner Zeit verbrachte Thaçi in der kleinen Ortschaft Dietikon, sein Geld verdiente er als Eisenbahnrangierer. Gleichzeitig agierte Hashim Thaçi von seinem Exil in der Schweiz aus aber weiterhin in politischen Exilgruppen und gehörte bereits seit 1993 zu den führenden Mitgliedern der UÇK, der paramilitärischen „Befreiungsarmee des Kosovo“. Thaçi agierte zu dieser Zeit nicht nur von der Schweiz aus, vielmehr gelangte er auch immer wieder nach Albanien und in den Kosovo. Er kümmerte sich vor allem um den Waffenschmuggel in den Kosovo sowie die Finanzierung der UÇK. Zudem reiste er auch mehrmals nach Albanien, um dort Rekruten der Befreiungsarmee für den Einsatz im Kampf zu trainieren. In dieser Zeit soll er auch zum ersten Mal an in die Ermordung von Serben verwickelt gewesen sein.

UCK – Befreiungsarmee des Kosovo

Hashim Thaçi war eines der führenden Mitglieder der „Befreiungsarmee des Kosovo“. Im Jahre 1997 wurde er in Abwesenheit zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Thaçi soll im Frühjahr des Jahres 1993 gemeinsam mit seiner „Drenica-Gang“ ein Polizeifahrzeug beschossen haben, wobei zwei Polizisten starben. Zudem wird ihm vorgeworfen, den serbischen Polizisten Predrag Djordjevic drei Jahre später ermordet zu haben. Schließlich soll er auch eine serbische Kaserne mit Handgranaten beworfen haben. Die Weltöffentlichkeit nahm von Thaçi erstmals im Sommer 1998 Notiz, als die UÇK ihn offiziell zu einem ihrer politischen Anführer ernannte. Im Rahmen der bewaffneten Auseinandersetzungen im Jahre 1998 fungierte Hashim Thaçi unter dem Decknamen „Die Schlange“ als Kommandeur der UÇK in der Region Malisheva. Am 13. August ernannte man ihn schließlich zu einem der politischen Vertreter der UÇK. Mit diesem Schritt gelang es Hashim Thaçi, sich als politischer Führer der UÇK zu etablieren.

In dem Zeitraum von Juni des Jahres 1999 bis zum Dezember desselben Jahres fungierte Hashim Thaçi einer von der UÇK geführten Regierung im Kosovo. Zu dieser Zeit existierten noch zwei andere Regierungen im Kosovo, nämlich eine weitere kosovarische sowie eine jugoslawische Regierung. Allerdings wurde keine dieser drei verschiedenen Regierungen von Seiten der Vereinten Nationen offiziell anerkannt.
Ein ganz entscheidender Vorteil gegenüber den beiden anderen Regierungen lag allerdings in der breiten und zum großen Teil bewaffneten Anhängerschaft der UÇK, deren Unterstützung sich Hashim Thaçi gewiss sein konnte. So versuchten auch zahlreiche Anhänger der Befreiungsarmee eigenständige Verwaltungen in ihren Regionen zu etablieren. Im Dezember des Jahres 1999 wurde Thaçi schließlich Mitglied im provisorischen Verwaltungsrat des Kosovo, welchen die Vereinten Nationen installiert hatten.

Gemeinsam mit Adem Demaci, dem führenden Kopf der UÇK, führte Hashim Thaçi auch die kosovo-albanische Delegation während den Verhandlungen von Rambouillet im Februar des Jahres 1999 an. Im Gegensatz zu Demaci, der stets eine sofortige Unabhängigkeit des Kosovo forderte, setzte sich Thaçi zunächst lediglich für den Rückzug der Serben aus dem Kosovo ein. Es gelang Thaçi schließlich, sich während den Verhandlungen mit seiner gemäßigteren Forderung innerhalb der UÇK durchzusetzen, was dann zu einem sofortigen Rücktritt von Adem Demaci führte. Nachdem er Anfang April zum neuen Ministerpräsidenten einer Übergangsregierung ernannt wurde, galt Thaçi von diesem Moment an als neuer politischer Führer der UÇK. Im selben Jahr erfolgte dann auch die Gründung der PDK, welcher Hashim Thaçi seit ihrer Gründung vorsitzt. Die Partei wurde am 14. Mai 1999 vom politischen Flügel der UÇK gegründet und ist mittlerweile die größte politische Partei im Kosovo. Bereits bei den ersten Wahlen, zu denen die Partei antrat, konnte sie mit über 25 Prozent der Stimmen ein durchaus beachtliches Ergebnis erzielen und übernahm zusammen mit einer weiteren Partei die Regierung. Auch im Jahre 2004 etablierte sich die Partei als zweitstärkste Kraft im Kosovo, nun entscheidet sich die PDK allerdings dazu, in die Opposition zu gehen.

Premierminister der Republik Kosovo

Bei den Wahlen zum kosovarischen Parlament im Jahre 2007 ging die PDK dann schließlich mit 34 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft aus den Wahlen hervor. Als Spitzenkandidat der Demokratischen Partei erklärte sich Hashim Thaçi daraufhin zum Wahlsieger. Zudem kündigte er gleichzeitig auch eine möglichst baldige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo an. Nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten erklärte Thaçi, dass die Hauptaufgabe der Regierung unter seiner Führung im Aufbau eines unabhängigen kosovarischen Staates bestehe. Bereits zu diesem Zeitpunkt kündigte er an, dass die Unabhängigkeitserklärung noch in der ersten Hälfte des Jahres 2008 erfolgen werde. Im November des Jahres 2010 wurde die Regierung unter Führung des Ministerpräsidenten Hashim Thaçi vom kosovarischen Parlament durch ein Misstrauensvotum gestürzt. Das Parlament löste sich in Folge dieses Misstrauensvotums auf, einen Monat später sollten Neuwahlen stattfinden. Thaçi und seine Partei konnten auch diese Neuwahlen für sich entscheiden.

Hashim Thaçi wurde immer wieder auch mit der organisierten Kriminalität im Kosovo in Verbindung gebracht. So gilt Thaçi als eine Schlüsselfigur, die im Kosovo als Bindeglied zwischen der organisierten Kriminalität sowie der Politik fungierte. Nur zwei Tage nach seiner Wiederwahl erregte allerdings ein vom Europarat veröffentlichte Bericht großes Aufsehen, nach dem Hashim Thaçi Ende der 1990er Jahre der Anführer einer mafiaähnlichen Organisation gewesen sein soll, welche angeblich vor allem in den Organ-Handel sowie Auftragsmorde verwickelt war. Laut dieses Berichtes war Thaçi der Chef der sogenannten „Drenica-Gruppe“. Diese kleine, aber sehr mächtige Gruppe von Mitgliedern der UÇK soll die organisierte Kriminalität seit dem Jahre 1998 unter ihre Kontrolle gebracht haben. Seine Partei stellte sich allerdings schnell hinter ihren Vorsitzenden und bezeichnete die geäußerten Vorwürfe als Lügen, welche auf unbewiesenen und erfundenen Tatsachen beruhen würden.

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