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Albanische Sprache

Albanisch wird in erster Linie in Albanien und im Kosovo gesprochen, dort ist die Sprache Amtssprache. Aber auch in Montenegro, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Italien, Griechenland und in der Türkei leben Menschen, die die Albanische Sprache beherrschen. Die Sprache gehört zur indogermanischen Sprachfamilie und besteht im Wesentlichen aus zwei großen Dialektgruppen, dem Toskischen im Süden und dem Gegischen im Norden. Die lokalen Dialekte unterscheiden sich zum Teil sehr stark.

Sprachentwicklung in neuerer Zeit

Die albanische Schriftsprache ist noch relativ jung, sie wurde erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf der Grundlage des Toskischen entwickelt. Es ist immer noch ein Problem, dass gegische Varianten in der Schriftsprache nicht berücksichtigt werden, was auch wiederholt – vor allem im Kosovo – thematisiert wird. Die Sprache enthält sehr viele Lehnwörter, die im Laufe der Jahrhunderte aus dem Lateinischen (und damit dem Altgriechischen) übernommen wurden. In der neueren Sprachgeschichte kamen Lehnwörter aus dem Bulgarischen, dem Italienischen, Französischen und dem Türkischen hinzu. Die Sprache lebt, und da dank der politischen Entwicklungen im 20. Jahrhundert eine relativ starke Mischung der Menschen auf dem europäischen Kontinent stattfand, kommt es immer noch zu ausgedehnten Kontakten des Albanischen mit anderen Sprachen. Auf dem Balkan ist das albanische Sprachgebiet relativ abgeschlossen, aber in Süditalien, auf Sizilien und in Griechenland leben alteingesessene albanische Minderheiten, die sich dementsprechend in einem mehrsprachigen Umfeld bewegen. Die Situation der Flüchtlinge im 20. Jahrhundert trägt zu einer weiteren Sprachverbreitung und -vermischung bei.

Ursprung und Verbreitung

Die Albanische Sprache ist das Ergebnis einer nicht erfolgreichen Romanisierung, wenn man es so will. Während der Antike verbreitete sich die römische Kultur und Sprache im gesamten europäischen und nordafrikanischen Raum, hat sich aber im albanischen Hochland nie ganz durchsetzen können. Und als im 5. nachchristlichen Jahrhundert der römische Einfluss zusammen mit der römischen Herrschaft verschwand, entwickelte sich das Albanische als eine ganz eigene Sprache, die zwar noch Lehnwörter des Lateinischen enthielt, aber nie soweit romanisiert wurde wie andere Sprachen im römischen Einflussgebiet. Erste Verschriftlichungen des Albanischen sind aus dem 15. Jahrhundert bekannt, auch wenn die Sprache bereits im 11. Jahrhundert von byzantinischen Schriftstellern erwähnt wurde. Aus dem Jahr 1496 ist eine kurze albanisch-deutsche Wortliste in der Art eines Vokabelheftes überliefert, die ein deutscher Pilger auf seinem Weg nach Jerusalem im Gebiet des heutigen Albanien erstellte. Fast 100 Jahre später verfasste ein katholischer Kleriker das erste Buch auf Albanisch. Eine Albanische Literatur entstand erst sehr viel später, im 19. Jahrhundert, und die ersten albanischsprachigen Zeitungen und Zeitschriften wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Auf die Verwendung eines Alphabets hatte man sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht geeinigt, es wurde wahlweise das lateinische oder griechische Alphabet verwendet, zum Teil auch arabische Schriftzeichen. Im Rahmen der Nationalbewegungen versuchte man gegen Ende des 19. Jahrhunderts, sich auf eine Vereinheitlichung zu einigen, was aber erst im Jahr 1908 gelang.

Verschriftlichung des Albanischen

1908 konnte man sich darauf einigen, für die schriftliche Fassung der Albanischen Sprache das lateinische Alphabet zu verwenden. Lediglich zwei Sonderzeichen wurden in die normale Liste der Buchstaben aufgenommen, die bereits auf der Tastatur der französischen Schreibmaschinen vorhanden waren. Andere Laute der Albanischen Sprache, die durch lateinische Schrift nicht ausgedrückt werden können, wurden in Buchstabenkombinationen festgehalten. Diese Regelungen einer phonetischen Schrift unter Verwendung der lateinischen Buchstaben mit zwei Sonderzeichen und neun Digraphen ist bis heute gültig. Toskisch-Albanisch kennt 29 Konsonanten und 7 Vokalphoneme, die Betonung liegt innerhalb der Wörter meist auf der vorletzten Silbe. Gegisch-Albanisch besitzt 10 weitere Konsonanten, Vokal- und Nasalphoneme.

Grammatik

In der grammatischen Struktur ist das Albanische dem Griechischen, Bulgarischen und Rumänischen recht ähnlich, wie in der sogenannten „Sprachbund-Theorie“ festgestellt wurde. Diese Theorie besagt, dass geographisch nahe beieinander liegende Sprachen in der Regel grammatische Merkmale aufweisen, die sie von anderen Sprachen unterscheiden. Albanisch ist eine der Balkansprachen, gehört also zum Bund der auf dem Balkan gesprochenen Sprachen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Sprachen kennt das Albanische nur zwei Geschlechter, feminin und maskulin. Wenige Neutra finden sich als Überbleibsel älterer Sprachstufen in der heutigen Sprache wieder, sind aber Ausnahmen, die vernachlässigt werden können. Substantive treten in zwei Grundformen auf, die bereits bestimmte oder unbestimmte Artikelendung tragen. Der Artikel wird also nicht, wie in den meisten romanischen Sprachen, vor das Substantiv gestellt, sondern als Endung angehängt. Dieses System wird konstant durchgehalten, selbst bei Eigennamen. Die Pluralbildung der Substantive ist sehr komplex, es gibt ca. 100 verschiedene Regeln, nach denen die grammatische Form der Mehrzahl gebildet werden kann. Manche dieser Regeln treffen nur auf einige wenige Worte zu, andere auf große Gruppen von Substantiven. In der Deklination sind fünf Fälle zu finden, neben den auch im Deutschen verwendeten Fällen Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ bedient sich das Albanische auch eines Ablativs – wie das Lateinische. Der Vokativ wird nur in der Anrede gebraucht und kann, da er mit dem Genitiv formgleich ist, vernachlässigt werden. In den meisten Lehrbüchern ist er ohnehin nicht erwähnt. Adjektive stehen, wie in manchen anderen europäischen Sprachen, nicht vor, sondern hinter dem Substantiv, das sie näher beschreiben. In den meisten Fällen haben sie einen Artikel vorangestellt, der das Geschlecht des zu beschreibenden Substantivs annimmt.

Weiterführende Literatur

Das Albanische ist eine überaus interessante Sprache, die an deutschen Universitäten, Volkshochschulen und sogar Gymnasien in den letzten Jahren vermehrt gelehrt wird. Weiterführende Literatur, Unterrichtsmaterialien und Lehrbücher sind online leicht zu recherchieren. Die großen Verlage für Sprachlernliteratur wie Pons und Langenscheidt haben nur beschränkt Lernmaterial zur Verfügung. Weitaus sinnvolleres Material bieten Albanische und Schweizer Verlage sowie die Publikationen einzelner Forschungsgesellschaften wie z. B. in der Zeitschrift für Balkanologie oder von Südost-Forschungen veröffentlichte Schriften. Allerdings finden sich auch online einige Sprachkurse, z. T. mit Audiomaterial, sowie recht gut recherchierte Wörterbücher und Kurzgrammatiken. Diese Materialien lassen sich in den meisten Fällen kostenfrei nutzen.

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